Personalchef
am MĂ€rz 12, 2014 | von | Kategorie Bewerben, aber richtig!

Was Personalchefs von Berufseinsteigern erwarten

In den Stellenanzeigen vermitteln viele Unternehmen den Eindruck, sie seien auf der Suche nach kreativen, innovativen und kommunikativen Persönlichkeiten mit Teamgeist, unternehmerischem Denken und Einsatzbereitschaft. Die formalen Anforderungen, wie sie am Papier stehen, unterscheiden sich jedoch teilweise deutlich von dem, was tatsÀchlich gefragt ist.

Die offiziellen Erwartungen der Berufseinsteiger

Personalmanager geben drei Grundvoraussetzungen an, die jeder Berufseinsteigern erfĂŒllen muss. Wer diese drei Anforderungen nicht erfĂŒllt, hat fast keine Chance auf einen interessanten Job:

  • eine fĂŒr den Job passende Ausbildung
  • sehr gute Englischkenntnisse
  • ausgezeichnete Computerkenntnisse

Daraus folgt:

  • Je mehr die Ausbildung ĂŒber Praktika und Spezialisierungen wĂ€hrend des Studiums mit dem Job zu tun hat, desto grĂ¶ĂŸer sind die Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungstermin. Die Bewerbung eines jungen Juristen, der sich fĂŒr einen Job in der Finanzabteilung interessiert, wird hingegen ungelesen gelöscht.
  • Gute Jobs ohne gutes Englisch gibt es fast nicht. Mittlerweile mĂŒssen sich auch Mitarbeiter im Lager und an der Supermarktkassa auf Englisch hinreichend ausdrĂŒcken können.
  • Word, Excel, Powerpoint, E-Mails und die FĂ€higkeit zu Google-Recherchen zĂ€hlen zum absoluten Standard. Überdurchschnittliche Facebook-Kenntnisse bringen hingegen außer bei der Bewerbung zum Social Media Manager nichts.

Was nicht in der Stellenanzeige steht

Unternehmen sind genauso wenig bereit, jeden Menschen als Mitarbeiter aufzunehmen, wie im Privatleben niemand bereit ist, mit jedem x-beliebigen eine Beziehung einzugehen. Die Partnerbörsen sind voll mit Menschen, die höhere AnsprĂŒche haben, als am Singlemarkt geboten wird. Genauso geht es den Unternehmen. Beruflich oder privat: Manche Menschen will man nicht einmal geschenkt haben.

Hinter vorgehaltener Hand berichten die Personalchefs, dass die Probleme der jungen Bewerber woanders liegen. Im Vertrauen berichtet ein Personalmanager, dass die meisten Bewerber die deutsche Rechtschreibung Ă€ußerst mangelhaft beherrschen und selbst von den Grundrechnungsarten nur geringe Ahnung haben.

Ein anderer Personalchef geht sogar noch weiter. Er meint, dass die meisten Kandidaten beim EinstellungsgesprĂ€ch nicht am fehlenden Fachwissen, ungenĂŒgender Ausdrucksweise oder mangelnden IT-Kenntnissen scheitern. Es genĂŒge fĂŒr einen positiven Eindruck schon, wenn sie die folgenden vier Begriffe kennen wĂŒrden: „Bitte. Danke. Guten Tag. Auf Wiedersehen.“ Der selbstverstĂ€ndliche Umgang mit diesen Worten sei jedoch seiner Erfahrung nach gerade bei jungen Menschen die Ausnahme.

Ein weiterer Personalleiter verabschiedete einen Kandidaten nach dem BewerbungsgesprĂ€ch mit den Worten: „Ich halte Sie fĂŒr eine spannende Persönlichkeit, und Sie haben sicherlich Potential fĂŒr eine gute Karriere. Bei uns kann ich Ihnen leider keinen Job anbieten. Und fĂŒr Ihr nĂ€chstes BewerbungsgesprĂ€ch empfehle ich Ihnen, die Kopfhörer aus den Ohren zu nehmen.“

Wie man es dreht und wendet: Beruflicher Erfolg beginnt mit guten Umgangsformen und dem Schulwissen eines ZwölfjÀhrigen.

Wie du den Traumjob bekommst

Jedes Jahr flattern Tausende Blindbewerbungen auf die Schreibtische der Personalabteilungen der großen, bekannten Unternehmen. Viele Unterlagen lassen dabei den Gedankengang des Bewerbers vermuten: „Mit meiner Ausbildung bin ich fertig, jetzt brauche ich einen Job. Ich bin ziemlich offen, was ich konkret in Ihrer Firma mache. Wenn möglich sollte die Arbeit irgendetwas mit meiner Ausbildung zu tun haben. Jedenfalls soll genĂŒgend Geld fĂŒr mich herausspringen.“

Warum die meisten dieser Bewerber nicht einmal eine Absage, geschweige denn eine Einladung zum BewerbungsgesprĂ€ch bekommen, liegt meist nicht an ihren mangelnden fachlichen Qualifikationen. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die Bewerber selbst nicht wissen, was sie wollen. Die Unternehmen spĂŒren das und stellen lieber jenen ein, der vermitteln kann, in der Firma den absoluten Traumjob gefunden zu haben.

Jene Kandidaten, die eine klare Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben, sind fĂŒr Firmen besonders interessant. Wem klar ist, wohin er will, kann seine Motivation authentisch begrĂŒnden, die dafĂŒr erforderlichen FĂ€higkeiten entwickeln und im persönlichen GesprĂ€ch glaubwĂŒrdig vermitteln. Der Arbeitgeber erkennt die Ernsthaftigkeit des Bewerbers und seine Bereitschaft, sich fĂŒr den Job aus eigenem Antrieb heraus anzustrengen.

Wer die eigenen Ziele formuliert, steigert die Wahrscheinlichkeit, sie zu erreichen und einen Job zu bekommen, der wirklich passt. Wer hingegen seine Bewerbungen nach dem Copy-Paste-Verfahren verschickt, darf sich nicht wundern, selbst wie eine Nummer behandelt zu werden.

Über den Autor

Conrad PramböckDr. Conrad Pramböck ist seit 1998 Unternehmensberater in internationalen Beratungsgesellschaften mit Schwerpunkt auf GehĂ€lter. Seit 2012 leitet er den GeschĂ€ftsbereich Compensation Consulting bei der Personalberatung Pedersen & Partners mit Verantwortung fĂŒr die Beratung von Unternehmen in Gehaltsfragen an 50 Standorten weltweit. Er ist Lektor und Vortragender an verschiedenen UniversitĂ€ten und Fachhochschulen zu Gehalts-, Personal- und Karrierethemen. Conrad Pramböck ist Autor des Buchs “Jobstars – mehr GlĂŒck, mehr Erfolg, mehr Leben als Angestellter” und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ in der Tageszeitung „Die Presse“ und „Gehalt konkret“ in der Tageszeitung „Der Standard“.
cp@conradpramboeck.com
www.conradpramboeck.com

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